Wer braucht ein Funkmikro!

Die Frage eines Sänger, ob er denn auf der Bühne ein Funkmikrofon benutzen könne, verursacht bei mir immer Schweißausbrüche und Herzrasen. Hoffentlich klappt das alles, denke ich. Denn trotzdem ich mir durch meinen Beruf einiges an technischem Verständnis aneigenen konnte, sind drahtlose Systeme für mich immer noch unberechenbar. Auch nach mehrmaligen Erklärungen meiner Profi-Freunde, habe ich den Eindruck, eine Funk-Mikrofonanlage können nur amerikanische Raketenwissenschaftler verlässlich bedienen. Für alle Musiker, denen es ebenso geht, die aber dennoch mit dem Gedanken spielen, eine Funke zu benutzen, habe ich mir die Sache von meinem Kollegen Markus Nachtigal nochmal (und nochmal) erklären lassen.

funkmikros_markusMarkus ist Monitormischer bei Fettes Brot, Gentlemen und den Beatsteaks und Fachmann für die Senderei in In-Ear und Funkmikrofone. Durch gute Vorbereitung und ständiges Wachsamsein, bekommt er die Sache zum Laufen.

Er stand mir als Co-Pilot für diesen Artikel zur Seite.

 

 

Vor allem in großen TV-Shows und auf Festivalbühnen ist drahtlose Technik im Einsatz. Bewegungsfreiheit und Vermeidung von Kabelsalat sind Voraussetzungen für die große Show auf großer Bühne. Neben praktischen Vorteilen, gehört bei angesagten HipHop- und Pop-Größen das Funkmikro quasi auch zum Image. Rapper finden es extrem uncool an einem Kabel zu hängen. Hier ist das „Wireless“ einfach Style. So überrascht es nicht, dass sich mancher Sänger selbst für kleine Bühnen und sogar im Proberaum ein Funkmikrofon wünscht. Es ist also angebracht, sich die Technik und deren sinnvollen Einsatz genauer anzuschauen.

 Und wer braucht nun ein Funkmikro ?

Spielt man vor großem Publikum und bewegt man sich als Sänger viel, ist es schon super, nicht auf ein Kabel aufpassen zu müssen. Die Wege von einer Bühnenseite zur anderen, bzw. ins Publikum können weit sein und um 30 Meter Kabel zu organisieren brauchen Frontmann/-Frau einiges an Routine. Auch drei Sänger, die wild durcheinander springen, wären durch Kabelmikros doch sehr eingeschränkt und produzieren meist nach 2 Songs in einem wirklich beeindruckenden Knoten. Kann man sich den Luxus leisten, mehrere Funken gleichzeitig für einen Sänger zu benutzen, können die Mikros bei Bedarf schnell und unbemerkt getauscht werden. Sei es, weil das in das gerade reingesungen wird, wegen Schweiß und Spucke seltsam klingt, oder überhaupt kaputt ist. Wireless-Systeme haben also zurecht ihren festen Platz auf großen Bühnen. Hier macht es – je nach Klang-Geschmack natürlich – zumindest aus praktischen Gründen Sinn, die Vorteile der Funktechnik zu nützen.
Einige dieser Vorteile könnte man sich durchaus auch auf kleiner Bühne und Proberaum vorstellen. Klar will man sich auch hier bewegen und Kabel liegen immer zuviel rum. Steht man jedoch vor allem auf den schrägen Brettern kleiner Clubs, sollte man sich aber über die Grundsätze dieser Technik und einiger ihrer fiesen Nachteile im Klaren sein.

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Wie funktioniert die Drahtlos-Technik ?

Damit mit den Funken wie oben beschrieben alles schön läuft, ist ein enormer technischer Aufwand und entsprechendes Wissen nötig. Wovon wir Zuschauer natürlich nichts bemerken (sollen). Der Profi-Roadie aus der Welt der großen Shows spricht nicht ohne Grund etwas nüchtern vom „reibungslosen Betrieb einer Funkstrecke“.
Um diesen zu garantieren, kümmert sich der Fachmann im Vorfeld und während einer großen Produktion, die ganze Zeit um die einzelnen Stationen dieser Strecke. Sie bestehen aus Sender (Mikro), Antenne und Empfängergerät. Eingangs- und Ausgangssignal sind analog, werden zur Übertragung bearbeitet/aufbereitet (dh in Funk „verwandelt“) und auf einer genau aufeinander abgestimmten Frequenz zwischen Sender und Empfänger übermittelt. Hier wird es auch schon schwierig. Die richtige Wahl der Funkfrequenz und der störungsfreie Funkverkehr sind eine komplizierte Angelegenheit, die der Fachwelt immer mehr Kopfschmerzen bereitet.

Frequenz-Wirr Warr

Der vom zuständigen Bundesministerium zugeteilte Frequenzbereich für drahtlose Bühnentechnik wird schmaler und schmaler und muss sich den Platz zudem mit der Digitalen TV-Übertragung teilen. Wo es also gestern mit dem neu gekauften Wireless-Mikro noch schön geklappt hat, kann es morgen schon an selber Stelle plötzlich zu Störungen kommen. Welche Frequenzen in Zukunft für die Systeme zur Verfügung gestellt werden, ist nicht abzusehen. Somit ist höchst unsicher, ob eine bereits gekaufte Sendeanlage auch in einem Jahr noch eingeschaltet werden kann, bzw darf. Die Hersteller weichen vom momentanen Mhz-Bereich auf Ghz aus, was jedoch u.U. eingeschränkte Reichweite und Störungen mit sich bringt. In diesem Bereich tummeln sich noch Feuerwehrnotruf Handy, Laptop und das Babyfon…
Bei wenigen Konzerten im Jahr macht es mehr Sinn, sich ein Profigerät bei der örtlichen Veranstaltungstechnik-Firma zu leihen. So hat kann man sich die Frage nach der Zukunft der Frequenzen ersparen.

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Fazit

Ist man ständig auf großen Bühnen bringen Funkmikrofone einige Vorteile. Kann man sich zudem noch Personal leisten, dass diese Technik betreut, hat man gute Chancen, die Fallstricke des drahtlosen Betriebs zu umgehen. Selbst dann muss man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass diese Technik empfindlich ist. Das Mikro eines aktiven Sängers muss eine Menge abkönnen. Schweiß, Spucke, Bier…und vor allem wird es des Öfteren mal auf dem Boden oder im Publikum landen. Das halten Funken nicht unbedingt aus. Ein Harcore-Sänger wird immer Kabel benutzen. Hier hat sich die Funktechnik aus guten Gründen nicht durchgesetzt.
Die Bands und Sänger, die sich für den Auftritt in normalen Clubs eine Funke wünschen, sollten überlegen, ob Kosten und Betreuungs-Aufwand im Verhältnis zu den paar Vorteilen stehen, die ein Funksystem in ihrer Situation bringt. Vom Ärger eines eventuellen Fehlkaufes, wegen der sich laufend ändernden Frequenzlandschaft ganz abgesehen. Ist man trotzdem der Meinung, ohne Funkstrecke geht es nicht mehr, hier einige Grundregeln, für den Sänger und die Sängerin, die sich ohne Techniker, allein auf sich gestellt den „ reibungslosen Betrieb einer Funkstrecke“ ans Bein binden:

Markus Nachtigals Goldene Regeln für den Einsatz von Funkmikrofonen:

-der Empfänger bzw seine Antenne, sollte auf der Bühne an der Seite stehen….mindestens auf Brusthöhe

– jedes Hindernisse zwischen Mikro und Empfänger vermeiden. (Cases, Amps etc)

– der Sänger sollte die Antenne am Mikrofon nicht zuhalten. Hier wird die Übertragung schlechter, man erreicht also weniger Reichweite

– vor dem Konzert, testen ob alles funktioniert

– Bühne ablaufen – ist der Empfang OK? Habe ich Aussetzer?

– dabei Antenne zuhalten und mit dem Mic von der Antenne Wegdrehen

– alle anderen Sender ( Gitarren, InEar) ebenfalls anschalten

Nähe zu anderen Sendern (Funkmics oder anderen Sendern) vermeiden

-Funkmikros brauchen immer volle Batterien. Hier sollte man sich bei Dauerverbrauch natürlich

ein Akkuladegerät leisten. Ansonsten wenigstens immer Marken-Alkali-Batterie zB Duarcell

-stets ein Kabelmikrofon als Ersatz auf der Bühne bereithalten.