Digital Release- (zack und weg ist die CD !)

Man kann seine Musik verbreiten und sogar verkaufen, ohne 100000 CDs pressen zu lassen (auf denen man dann sitzen bleibt). Musik in rein digitaler Form kennen wir alle. Wie aber kann eine Band ihr neues Album in digitaler Form richtig „erscheinen“ lassen? Wenn man keine CDs pressen lässt und selber MP3s ins Netzt stellt, braucht man doch keine Plattenfirma, oder ?
Andy Villhauer schraubt genau an solchen Dingen. Er arbeitet für das Münchner Harcore Label „Let it Burn Records“ und dem digitalen Sublabel „Acuity.Music“.

Interview: Tom / Foto:  Zoran Zaric

Hallo Andy, gleich mit der Tür ins Haus: Was ist ein Digital-Release?

Andy: Hey Tom! Ein Digital Release erscheint auf dem digitalen Musikmarkt, losgelöst von einem physischen Tonträger wie der CD oder Vinyl. Man kann es beispielswiese in digitalen Stores wie iTunes, Amazon MP3 oder Napster kaufen sowie es sich auf Streaming Portalen wie Spotify und Rdio anhören. Da sich der digitale Musikmarkt durch das bequeme und schnelle Musik kaufen über das Smartphone mittlerweile so etabliert hat sind Releases die einzig und allein digital erscheinen, ohne eine zusätzlich physische Version, immer häufiger und gewöhnlicher.

Ist die Möglichkeit der digitalen Verbreitung doch eher was für Labels, oder kann das eine Band auch selbst machen?

Andy: Genau wie die DIY Pressung einer CD kann natürlich auch jeder Künstler sein Release selbst auf den digitalen Musikmarkt bringen. Was jedoch hier oftmals unter den Tisch fällt und vergessen wird, ist dass es auch bei digitaler Musik Vertriebe gibt, die zuverlässig und flächendeckend das Release an alle Stores und Streaming Services ausliefern. Im Internet kursieren außerdem viele dubiose Unternehmen, die einem angeblich ganz easy und „kostenfrei“ das digitale Release in die Stores bringt. Hier muss man jedoch etwas Vorsicht walten lassen, da die Unwissenheit vieler Künstler oft ausgenutzt wird und man schnell über den Tisch gezogen wird.

Kann man als Band überhaupt auf Geld hoffen? Wie funktionieren die Bezahlmodelle bei Digital-Releases?

Andy: Das kommt ganz darauf an ob man das Release selbst oder über ein Label auf die digitalen Straßen bringt und wie bei letzterem der Deal aussieht. Die einfachste Rechnung zur Veranschaulichung der finanziellen Rentabilität ist allerdings die folgende: Es gibt keine Produktionskosten wie bei einem physischen Release, wenn man natürlich von Recording und Artwork Kosten absieht. Ein digitales Release kann sich also wesentlich schneller re-finanzieren und auszahlen als das ein physisches Release könnte.

Wenn nun jeder die Möglichkeit hat, seine Musik selber zu verbreiten, welche Vorteile bietet es dann noch, sich als (kleine) Band an ein Label zu binden?

Andy: Wie schon vorher erwähnt ist der große Denkfehler den viele unerfahrene Künstler machen dass sie die Komplexität hinter dem digitalen Musikmarkt nicht kennen und dadurch unterschätzen. Genau wie bei einem physischen Release braucht man für ein digitales Release auch ein Label welches mit einen starken und zuverlässigen Vertrieb zusammenarbeitet, der sich um die pünktliche und saubere Auslieferung der Releases an die Stores und Streaming Services wie Spotify kümmert. Der Versuch das alles selbst irgendwie zu delivern geht oft schief und pünktlich und zeitgleich steht das Release dann oftmals auch nicht in den Stores.

Ersetzt die Verbreitung in digitaler Form irgendwann die klassischen, physikalische Medien wie CD und Vinyl, oder ist das immer nur eineErgänzung?

Andy: Das ist auf jeden Fall eine spannende Entwicklung! Ich denke die physikalischen Medien werden nie komplett aussterben. Die CD ist zwar gerade dabei ihre letzten Atemzüge zu machen, für viele Menschen gilt etwas jedoch erst dann als Besitz wenn sie es auch in den Händen halten können. Aus persönlicher Erfahrung und Sammelleidenschaft kann ich bezeugen dass ein digitales Release nie den Liebhaber-Wert von Vinyl ersetzen können wird. Ich denke aber auch dass eben das Besitzen eines physikalischen Mediums absolut zu einem Liebhaber-only Ding werden wird.

Ganz zu schweigen von der Schallplatte, bietet die 16bit CD doch eine allgemein annerkannte gute Tonqualität. Kann die Verbreitung von Mp3 da mithalten. Bzw in kann man je nach Bandbreite und Internetanschluss auch
hochwertige Qualität vertreiben?

Andy: Die Mp3 kann da auf jeden Fall mithalten. Genaugenommen ist der Qualitätsunterschied zwischen dem Klang einer CD und der Mp3 nur noch marginal und nur auf den wirklich guten Anlagen zu hören. Der iPhone / iPod Hörer stellt da keinen Unterschied fest. Wenn es dann jedoch in Richtung „High Res“ Audio geht konnte iTunes bisher nicht mithalten. Dies wird sich allerdings in Zukunft ändern.

„High Res Audio“ widerum spielt sicher nur in bestimmten Genres wie Jazz oder Klassik eine Rolle?

Andy: Hier ist natürlich auch ganz klar die Frage was man will und auf was man Wert legt. Ein Hardcore Kid legt jedoch in der Regel weniger Wert auf High Res Audio als ein Jazz Liebhaber, das stimmt. Apple zieht allerdings mit iOS 8 bald nach und es wird ab dann auch möglich sein „High Res Audio“ via iTunes zu kaufen. Definitiv ein weiterer wichtiger Schritt für den digitalen Musikmarkt und vor allem ein Schritt der ihn für Musikliebhaber attraktiver machen wird.

Ja dann…danke, weiß Bescheid!

digital_release_andiAndy Villhauer ist aus Heidelberg / Sänger der Hardcore Band Human Touch / davor Sänger bei The Haverbrook Disaster / spielt Bass bei der internationalen „Hardcore Supergroup“ Hollow Sons / arbeitet bei dem Münchner Hardcore Label Let it Burn Records sowie dem digitalen Sublabel Acuity.Music; außerdem Teil der Let it Burn Agency, Aufgaben hier u.a. Tour Management für zB Marathonmann